Welche Voraussetzungen gibt es, wenn ich einen Assistenzhund haben möchte?

Sie benötigen zunächst einen Schwerbehindertenausweis mit mindestens 50GdB oder ein ärztliches Attest darüber, dass Sie tatsächlich auf einen Assistenzhund angewiesen sind.

Ihr Assistenzhund wird Sie immer und überall hin begleiten, Ihre Bereitschaft dafür ist ebenfalls Voraussetzung. Sie müssen in der Lage sein, einen Hund versorgen zu können - körperlich und psychisch. Ein Hund muss sich neben seiner Arbeit jeden Tag frei draussen bewegen können, Zeit haben um einfach mal ein Hund sein zu können und nur seinen Bedürfnissen nachzugehen. Ihr Umfeld sollte so gefestigt sein, dass sich im Notfall immer jemand um den Hund kümmern kann. Außerdem brauchen Sie die nötigen finanziellen Mittel, um Ihren Assistenzhund versorgen zu können.


Wie komme ich an einen Assistenzhund?

Hierfür gibt es 2 Möglichkeiten: die Fremdausbildung und die Selbstausbildung.

Bei der Fremdausbildung wächst der Hund beim Trainer auf. Dieser sozialisiert ihn, erzieht ihn und bildet ihn aus. Dann sucht der Trainer für diesen Hund den passenden späteren Partner. Ist dieser gefunden, werden dem Hund noch weitere individuell auf den späteren Partner zugeschnittene Verhaltensweisen antrainiert. Der Hund muss nun noch einen ausführlichen Gesundheitstest und eine Prüfung bestehen. Danach werden der Hund und sein späterer Partner eingearbeitet. Dies kann mehrere Tage bis Wochen dauern. Am Schluss müssen der Interessent und der Hund noch eine Teamprüfung, die sog. Gespannprüfung, bestehen.

Bei der Selbstausbildung wählt der Trainer einen geeigneten Welpen aus und dieser zieht sofort bei seinem späteren Partner ein. Dieser sozialisiert, erzieht und bildet seinen Assistenzhund unter Anleitung des Trainers selbst aus. Auch hier steht am Ende der Ausbildung die Teamprüfung / Gespannprüfung an.

Beide Ausbildungsformen haben Vor- und Nachteile. Bei der Fremdausbildung bestehen grössere Erfolgschancen, die abschliessende Teamprüfung zu bestehen, da der Hund von einem fachkundigen Trainer erzogen und ausgebildet worden ist. Allerdings bringt diese Form der Ausbildung weitaus höhere Kosten mit sich als die Selbstausbildung. Zudem ist die Wartezeit sehr lang - im Durchschnitt 2 Jahre.

Bei der Selbstausbildung sind die Kosten wesentlich geringer, ebenso die Wartezeit (im Schnitt wenige Monate). Allerdings ist auch das Risiko höher, dass die Entwicklung und Ausbildung ungünstig ablaufen und der Hund die abschliessende Teamprüfung nicht oder erst verzögert besteht. Zudem liegt das Risiko der Gesundheit vollständig in den Händen des Kunden. Als Vorteil zu nennen wäre noch, dass es vielen Klienten leichter fällt, sich an einen Welpen zu binden, z.B. Kinder mit Autismus.


Was sind "Standards für Assistenzhunde"?

Standards sind eine Art Verhaltens-"Knigge", Benimmregeln, die der Assistenzhund in Ausbildung lernen muss und die bei den Prüfungen auch immer mit bewertet werden. Sie sollen sicherstellen, dass der Hund niemanden belästigt oder sogar gefährdet und sind die Basis für seine späteren Rechte, z.B. seinen Partner in der Öffentlichkeit überall hin begleiten zu dürfen.

Zu den Standards gehört z.B. dass der Assistenzhund nicht unerlaubt Kontakt zu fremden Menschen aufnimmt, an Ihnen schnüffelt, bettelt, sich an unangemessenen Orten löst oder übermässig bellt.


Mein Kind benötigt einen Assistenzhund - wie alt muss es mindestens sein?

Dies ist eine sehr individuelle Entscheidung. Assistenzhunde können auch schon für jüngere Kinder ausgebildet werden, die Schwierigkeit liegt hier allerdings darin, dass zumindest bei Warnhunden der Hund die engste Bindung an das Kind haben muss. Sehr grob über den Daumen gepeilt würde ich einen Assistenzhund frühestens ab 5 Jahren empfehlen, einen Warnhund ab 12 Jahren - aber wie gesagt, dies wird individuell mit den Eltern des Kindes besprochen.


Was kostet ein Assistenzhund?

Für einen Assistenzhund in Fremdausbildung kommt ein Betrag um die 17.000 Euro auf den Kunden zu.

Für einen Assistenzhund in Selbstausbildung sind die Kosten vorher nur grob einschätzbar - Der Kunde muss den Kaufpreis für den Welpen, Futter, Versicherung, Kastration, Tierarzt und Unterhalt selbst tragen. Hinzu kommen die Welpenauswahl (500 Euro), Trainingsstunden (Einzeltraining je 60 Euro, Gruppentraining je 40 Euro) und die Abschlussprüfung (ca. 400 Euro). Wie viele Einzelstunden gebraucht werden, ist sehr unterschiedlich und u.a. abhängig vom Hund und seinem Partner.


Können die Kosten für einen Assistenzhund übernommen werden?

Bisher werden nur die Kosten für Blindenführhunde von den Krankenkassen übernommen.

Die Kosten für alle anderen Assistenzhunde müssen bisher vom Kunden selbst getragen werden. In Einzelfällen konnte die Übernahme der Kosten vor Gericht von den Betroffenen eingeklagt werden. Eine Chance besteht in manchen Fällen über das Persönliche Budget. Menschen mit PTBS können sich auch beim Weissen Ring über eine eventuelle Kostenübernahme informieren.


Kann ich meinen Assistenzhund überall hin mitnehmen?

Ja, ihr Assistenzhund darf Sie überall hin begleiten. Auch dort, wo Hunde normalerweise nicht erlaubt sind, z.B. Supermärkte, Kino´s Ämter, Museen, Krankenhäuser usw. Das liegt daran, dass ein Assistenzhund rechtlich kein Familienhund ist sondern ein Hilfsmittel.

Ausgebildete Assistenzhunde sind zudem von der Hundesteuer befreit und müssen in öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos befördert werden.

Assistenzhunde in Ausbildung haben hingegen keine besonderen Rechte, sie gelten rechtlich als Familienhunde.


Wie ist das mit der Prüfung bei der Selbstausbildung?

Bestehen der Hund und sein Partner die Teamprüfung, erhalten Sie einen Ausweis und eine Kenndecke, um in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es sich hier um einen ausgebildeten Assistenzhund handelt. Nach einem Jahr gibt es eine Nachprüfung für das Team, um zu sehen, ob der Hund weiterhin alle Standards hält und sich seiner Aufgaben gemäß verhält. Weitere Nachprüfungen finden im Abstand von ca. 3 Jahren statt. Bei Problemen können jederzeit ergänzende Trainingsstunden vereinbart werden.


Kann ich auch meinen schon vorhandenen Hund zum Assistenzhund ausbilden lassen?

Das ist grundsätzlich möglich, allerdings nur in Selbstausbildung. Wichtig ist, dass er gesund ist und über das Wesen eines Assistenzhundes verfügt (freundlich, wesensfest, ohne Aggression, intelligent, Freude für den Menschen zu arbeiten u.a.), dafür muss er einen Eignungstest bestehen. Spätere Aufgaben / Kommandos werden in diesem Test nicht abgefragt, es geht hier nur um das geeignete Wesen.

Die Ausbildungsdauer, Kosten, Menge der Trainingsstunden usw. können erst nach dem Eignungstest eingeschätzt werden und sind abhängig von den gewünschten Aufgaben, dem Hund und seinem Partner.

Besteht Ihr Hund den Eignungstest nicht, besteht u.U. noch die Möglichkeit, ihn zum In-Home-Assistenzhund auszubilden. Das bedeutet, er lernt einige nützliche Aufgaben, um Sie in ihrem täglichen Leben zu unterstützen (z.B. Dinge aufzuheben, wenn Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind). Da er jedoch kein geprüfter Assistenzhund wird, hat er später keine besonderen Rechte, z.B. Zutrittsrechte in Geschäfte.


Ich leide unter einer PTBS - Muss ich mit Ihnen über mein Trauma sprechen? Das wäre mir sehr unangenehm.

Nein! Ob mit oder ohne PTBS - ich frage niemanden nach seiner persönlichen Lebensgeschichte aus! Auch der Grund für Traumen, z.B. Missbrauch oder ein Kriegseinsatz, sind für die Ausbildung eines Assistenzhundes irrelevant. Wichtig für mich zu erfahren wäre allerdings, wo in Ihrem täglichen Leben Schwierigkeiten bestehen, um festzustellen, ob und wie ein Assistenzhund Ihnen helfen könnte.





 
 
 
 
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